Ausflug in die berufliche Bildung

Letzte Woche war ich für zwei Lehraufträge an externen Einrichtungen unterwegs. Beide Veranstaltungen liegen im Bereich der beruflichen Bildung, beide hatte ich als Inhouse-Workshops konzipiert. Als erstes bin ich an die Zeppelin Universität in Friedrichshafen gereist für eine Blockveranstaltung im Rahmen des berufsbegleitenden Studiengangs Master of Digital Pioneering (eMA DIP). Der Workshop stand unter dem Titel Social Entrepreneurship and Digital Business Models in Higher Education. Zielgruppe waren Masterstudierende aus unterschiedlichen Unternehmen (u.a. HP, Telekom, IBM, Daimler, Porsche), die jeweils in ihren beruflichen Kontexten im Bereich der Digitalisierung an der Entwicklung innovativer Geschäftsfelder arbeiten. Speziell waren die Teilnehmer/innen teils in Forschung und Entwicklung tätig, zum überwiegenden Teil aber in den „klassischen“ unternehmerischen Bereichen wie Vertrieb, Kundenberatung, Einkauf oder Finanzierung. Mit dem berufsbegleitenden Masterstudium verbindet sie das Ziel einer akademischen Professionalisierung im Bereich der Geschäftsmodell-Innovationen in digitalen Geschäftsfeldern.

Das Modul, dem meine Veranstaltung zugeordnet war, ist das letzte Studienmodul im Curriculum, das im Anschluss an die Masterarbeit nochmals einen Ausblick auf neue Felder gibt, die in den vorangegangenen Lehrbereichen noch nicht genauer thematisiert wurden. So wurden neben meiner Veranstaltung, in der ich Konzepte und Trends digitaler Bildung im Hochschul- und Weiterbildungssektor zur Diskussion gestellt hatte, u.a. auch Perspektiven auf digitale Disruptionen des Mediensystems sowie ethische Grundlagen eines nachhaltigkeitsorientierten Sozialunternehmertums entwickelt. Neben aktuellen Trends und einschlägigen Konzepten aus der Hochschulbildung stand im Rahmen meiner Veranstaltung auch die Frage im Mittelpunkt, welche Brücken sich zwischen den Anwendungskontexten der beruflichen Praxis und den Forschungskontexten zum digitalen Lehren und Lernen schlagen lassen. Insbesondere wenn es um organisationsinterne Weiterbildungsformate oder Trainings geht, sind die größeren Unternehmen hier meist schon recht gut aufgestellt. Aber gerade im Bereich des forschenden und entdeckenden Lernens bieten sich hier einige sehr spannende Anwendungsfelder, aus denen sich m.E. auch Kooperationen zwischen Bildungswissenschaftlern und unternehmerischen Kontexten ergeben könnten…

Der zweite Lehrauftrag fand ebenfalls im Süden statt: hier war ich für das Promotionsprogramm der Robert Bosch GmbH an den neuen Forschungscampus nach Renningen eingeladen. Zielgruppe waren Doktoranden, die sich quer auf die verschiedenen deutschlandweiten BOSCH-Standorte verteilten und die sich entweder zu Fragen rund um Forschungsdesign, Gliederungs- und Aufbaumodelle sowie Best-Practice-Beispiele von Promotionen im technischen Kontext informieren wollten oder die aktuell für die Projektbetreuung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten (Bachelor-, Master- oder Projektarbeiten) verantwortlich sind und für diese Betreuung an Leitlinien und Systematisierungen arbeiten wollten.

Die Teilnehmergruppen waren also für beide Workshops ganz ähnlich: beide Male waren es Seminare der Erwachsenenbildung und beide Male handelte es sich um Weiterbildungsformate „on the job“. Inzwischen hab ich auch etwas Erfahrung mit dieser spezifischen Zielgruppe gesammelt. (Eine Übersicht meiner Lehrveranstaltungen für die verschiedenen Zielgruppen halte ich hier immer aktuell…) Mir macht die Arbeit im Kontext der beruflichen Bildung unheimlich Spaß, weil ich dabei einen Einblick in einen Kontext bekomme, der uns Wissenschaftlern (speziell, wenn wir im Bereich „Bildung“ arbeiten) ja in der Regel nicht so zugänglich ist. Und ich bin immer wieder überrascht, wie gut informiert und wie nah dran die Leute aus den Unternehmen an den aktuellen Themen sind, die auch im wissenschaftlichen Diskurs in der letzten Zeit bspw. zur Digitalisierung oder dem multimedialen Lernen diskutiert werden. Wobei die Themen doch immer ein paar Jahre zu brauchen scheinen, bis sie in den Organisationen „durchschlagen“. Umgekehrt kriegen wir im wissenschaftlichen Umfeld aus meiner Sicht leider viel zu wenig mit, wie viel in den Organisationen im Bildungsbereich erprobt und auch an durchaus innovativen Formaten ausprobiert wird. Hier liegt eine Menge „Best-Practice-Erfahrung“ brach, deren Potenzial aus meiner Sicht noch viel zu wenig für die wissenschaftliche Konzeptentwicklung genutzt wird. Schade eigentlich, oder?

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